Mein Leben mit MS

Krankenhaus Woche 1

Ein Hallo an alle bekannten und auch unbekannten Leser :D Da ich Am Montag für vier Tage mit einer Freundin auf Urlaub fahre, dachte ich mir ich lasse vorher noch einen kleinen Eintrag da, wie es nach meiner Aufnahme weiterging.


Dass ich sofort ein Bett bekam, wäre etwas übertrieben gesagt, denn ich durfte erst einmal fünf Stunden im Aufenthaltsraum der Station herumgammeln, da mein Bett noch belegt war. Die Station verlassen durfte ich in dieser Zeit auch nur nach langem Betteln, da es ja sein konnte, das zufällig in den 10 Minuten in denen ich einen Kaffee trinken ging, der Arzt überraschend Zeit hätte mich zu Untersuchen. Nun… Der Arzt hatte dazu erst über eine Stunde nachdem ich dann endlich mein Bett hatte für mich Zeit. Dafür ging dann aber alles auch recht zackig und ehe ich mich versah, hatte ich auch schon eine Nadel im Rücken stecken. Na gut, ganz so schnell ging es dann auch nicht, obwohl ich glaube, das normalen Menschen die keine medizinische Ausbildung absolvieren deutlich mehr erklärt wird. Mir wurde lediglich gesagt, dass eine Lumbalpunktion durchgeführt wird, wo sie ungefähr reinstechen und das war’s dann auch schon wieder. Die Untersuchung dient zur Entnahme von Hirnflüssigkeit, die sich vor allem bei neurologischen Erkrankungen in ihrer Zusammensetzung verändert. In der Hirnflüssigkeit kann man Entzündungswerte sehen, die je nach Höhe einer Krankheit zugeordnet werden können. Die Nadel wird ganz knapp unter der Stelle hineingestochen, wo das Rückenmark endet. Die Liste der Dinge, die dennoch passieren können ist ewig lang aber ehrlich gesagt hab ich dem Aufklärenden Assistenzarzt in dem Fall nicht wirklich zugehört, weil ich es einfach nicht wissen wollte. Allerdings würde ich jedem empfehlen, die leichte Narkose in Anspruch zu nehmen. Erstens Mal ist so eine Nadel im Kreuz nicht unbedingt etwas Angenehmes und zweitens muss man anschließend sowieso erst einmal zwei bis drei Stunden unbewegt auf dem Rücken liegen bleiben (man entzieht ja doch dem Hirn Flüssigkeit, die es erst mal wieder nachbilden muss… ich bin zu früh aufgestanden und mir ist anschließend fast der Kopf geplatzt. Vielleicht hätte ich dem Arzt doch ein bisschen besser zuhören sollen?) und DAS wäre mit Sicherheit im Dämmerschlaf der Narkose um einiges angenehmer, vor allem wenn man eigentlich jemand ist, der gerne auf der Seite oder auf dem Bauch liegt. Da ich allerdings in manchen Punkten einfach nicht belehrbar bin, habe ich mich bei allen 3 Punktionen die ich in Summe hatte ohne Narkose piksen lassen (wobei man dazu sagen muss, dass ich einfach furchtbar schlechte Venen habe und es einfach in meinem Fall weniger Schmerzhaft ist sich einmal eine Nadel in den Rücken stechen zu lassen, als wie 10 mal von einem Assistenzarzt gepikst zu werden, der die verdammte Vene einfach nicht findet…). Ich wurde mehrmals gefragt, ob nicht vielleicht die Möglichkeit bestünde, dass mich eine Zecke gebissen hat, was ich immer wieder verneinte. Auch ein Zeckenbiss kann solche Symptome wie ich sie hatte auslösen, aber ich war mir ziemlich sicher: einen Zeckenbiss hätte ich bemerkt. Trotz meiner Widerworte bezüglich des Bisses wurde mir 3x täglich Antibiotika angehängt, nur so zur Sicherheit bis das Ergebnis meiner Punktion da war. Die Antibiotikagabe war in meinem Fall mit einem beinahe täglichen Wechsel meines Venenzuganges verbunden, da die Leitung nach einem Tag schlicht und ergreifend „kaputt“ war und nichts mehr durchging. Hin und wieder wenn ich eine Schwester darauf hingewiesen habe, dass mein aktueller Venenzugang ein wenig weh tut (will heißen die Stelle um die Nadel war extrem rot und es hat sich schon ein kleiner Hügel gebildet, weil das Medikament nicht dahin lief wo es sollte) wurde mir nicht nur einmal gesagt, ich solle mich mal nicht so anstellen. Da ich aber nicht so leicht einzuschüchtern bin wie ein Patient der sich in dem Gewerbe nicht auskennt, bin ich ihnen eben jeden Tag aufs Neue ziemlich auf den Wecker gegangen. Krankenschwestern (auch wenn es sich dabei noch um Schülerinnen handelt) sind halt einfach miserable Patienten. Die ersten Nächte waren wenig erholsam, denn ich lag in einem 5-Bett Zimmer und die restlichen vier Patientinnen waren an Alzheimer erkrankte Damen die den Nachtdienst und auch mich ziemlich auf Trab hielten. Generell hatte ich mit meinen Zimmergenossinnen weitesgehend Pech. Von demenzkranken Frauen, über besorgte Mütter die ihren anscheinend unfähigen (wohlbemerkt 18-jährigen) Nachwuchs um 4 Uhr morgens anriefen ob er auch ja gut vom Ausgehen heimgekommen ist und Frischluftallergikern die partout niemals ein Fenster öffnen wollten hatte ich eigentlich so ziemlich alles dabei. Da können 2 Wochen schon ziemlich lang werden. Als dann schlussendlich das Ergebnis da war, konnte ich mich erst einmal vom Herrn Primar anschnauzen lassen, warum zur Hölle ich den nicht früher gekommen wäre. Beantwortet habe ich diese Frage mit einem Schulterzucken und den Worten, dass mein Neurologe mir einen Termin vereinbart hätte und ich eigentlich davon ausgegangen wäre, Ärzte wüssten was sie tun vor allem wenn ihnen die Symptome geschildert werden. Von dieser Aussage weg mochte er mich nicht mehr sonderlich. Ärzte sind ja die Götter in Weiß, die machen bekanntlich keine Fehler… Alles in allem hatte sich herausgestellt das meine Entzündungswerte viel zu hoch waren. Zu hoch für einen Zeckenbiss und auch viel zu hoch für MS. Also wurde ich erst einmal weiter mit Breitbandantibiotika vollgepumpt und ein paar Tage später hatte ich einen Termin beim MRT. Ich musste eine ganze Stunde in dieser engen Röhre verbringen. Diese Stunde kam mir persönlich vor wie ein ganzer Tag. Auch wenn man keine Platzangst hat, wird es einem nach einiger Zeit in diesem Teil doch ziemlich eng. Das Kontrastmittel hat die Situation auch nicht unbedingt besser gemacht. Was sie mir da angestöpselt haben, hat mir im Übrigen auch niemand gesagt. Man muss Patienten ja nicht informieren und wenn sie zufälligerweise eine Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenschwester machen ja ohnehin schon mal gar nicht. Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nicht mal das erste Jahr hinter mir, aber Kontrastmittel war die einzige logische Erklärung. Anschließend erfuhr ich ein paar Tage wieder einmal gar nichts, auf Nachfragen meinerseits wurde schlicht nicht reagiert. Irgendwann wurde mir dann doch netterweise mitgeteilt, dass die Ergebnisse der Punktion und die MRT Bilder zu einem Spezialisten in der Universitätsklinik geschickt wurden. Wirklich hilfreich war diese Aussage zwar nicht, aber immerhin redete mal jemand mit mir. Ich konnte mir lediglich zusammenreimen, das sie auch im MRT irgendwas gefunden haben, was ihnen nicht gefällt und mit dem sie aber im Großen und Ganzen nichts anzufangen wussten. Eine Weiterleitung an Spezialisten erfolgt meistens, wenn ein Arzt für die Diagnose einer schwerwiegenden Erkrankung nicht allein verantwortlich sein will. Verständlicherweise wie ich sagen muss, denn es besteht ja doch noch die Möglichkeit das er sich vielleicht irren könnte.

Wie die Geschichte weiterging werde ich in meinem nächsten Blogeintrag erläutern Ich muss mich jetzt erst mal wieder beruhigen, die ganze Situation regt mich immer noch maßlos auf. Man liest sich!

Eure V.

27.6.15 18:05

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Katharina (28.6.15 06:48)
Wirklich immer wieder erschreckend wie lange man ohne Informationen hingehalten wird. Liebe Ärzte bitte nicht so! Ist für uns Krankenschwestern, egal ob als Patient oder auch in der Arbeit alles andere als angenehm.
V. danke für den wundervollen Blog! Obwohl ich das ganze Theater schon kenne, ist es gut noch einmal alles von Anfang an durchlesen zu können. Der Schnelldurchlauf dieser Odysee damals im Sommer hat mich so erschrocken, dass ich vieles wieder verdrängt hatte... Was vermutlich verständlich ist Ich freue mich auf deinen nächsten Eintrag!

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